Wildbret richtig verarbeiten
Wildgalgen und Wildspreizer machen das Verarbeiten von Wildbret von einer traditionellen mühsamen „Bodenarbeit“ zu einem ergonomischen und hygienischen Tätigkeit. Beide Werkzeuge ergänzen sich perfekt, haben aber unterschiedliche Schwerpunkte.
1. Der Wildgalgen
Der Wildgalgen ist die Basis für das sogenannte „Hängende Aufbrechen“ und Zerwirken. Er ersetzt das Arbeiten am Boden.
- Maximale Hygiene durch Schwerkraft: Das ist der wichtigste Punkt. Beim Aufbrechen im Hängen fallen Schweiß, Panseninhalt oder Blaseninhalt nach unten – weg vom wertvollen Wildbret (Rücken und Keulen). Bei der liegenden Verarbeitung besteht immer die Gefahr, dass Flüssigkeiten in den Körper „hineinlaufen“.
- Ergonomie & Arbeitsschutz: Sie arbeiten im Stehen auf Augenhöhe. Das schont den Rücken extrem, da man nicht minutenlang gebückt oder kniend arbeiten muss. Zudem haben Sie mehr Kraft und Kontrolle beim Schnitt (z. B. beim Durchtrennen des Schlosses).
- Rundum-Kühlung: Hängendes Wild hat keinen Bodenkontakt. Die Luft kann rund um den Wildkörper zirkulieren, was einen Wärmestau auf der Unterseite (wie beim Liegen) verhindert.
- Fixierung: Der Galgen spreizt die Hinterläufe fest und sicher. Das Wild dreht sich nicht weg, was das Abschwarten (Haut abziehen) und grobe Zerwirken deutlich erleichtert.
2. Der Wildspreizer
Der Edelstahl-Wildspreizer wird in den Brustkorb oder Bauchraum eingesetzt, um diesen weit offen zu halten.
- Vermeidung von „Verhitzen“: Durch das Aufspreizen des Brustkorbs (Brustkern) kann die Körperwärme sofort entweichen. Das ist kritisch in den ersten Stunden nach dem Schuss, um stickige Reifung (Verderb) zu verhindern.
- Die „Dritte Hand“: Beim Ausspülen oder Ausschärfen im Inneren des Wildkörpers stören oft die Rippenbögen oder Blätter, die immer wieder zuklappen wollen. Der Spreizer hält den Arbeitsbereich offen, sodass Sie mit beiden Händen frei arbeiten können.
- Keimreduktion: Da Luft und Sauerstoff an die Innenseite des Wildkörpers kommen, trocknet die Oberfläche schneller ab. Trockene Oberflächen bieten Bakterien weniger Nährboden als feucht-warme Kammern.
- Gleichmäßige Fleischreifung: Nur wenn die Luft auch in den Brustkern kommt, kühlt das Stück von innen heraus gleichmäßig ab.
Der Wildgalgen sorgt dafür, dass Sie das Stück sauber, sicher und rückenschonend aufbrechen und enthäuten können. Der Wildspreizer sorgt anschließend in der Kühlung dafür, dass die Qualität erhalten bleibt, indem er für Durchzug im Wildkörper sorgt.